
Wie alles begann..
Schon als Kind prägten sich die damals normalen Haltungsformen der Kaninchen in Einzelboxen und Gitterböden negativ ein. Uns haben diese Bilder die ganzen Jahre begleitet und nicht mehr losgelassen. Die Einzelboxen sind in der Schweiz für die Zucht leider immer noch zugelassen & legal.
Aus der Motivation heraus, den eng eingesperrten und oft fehlernährten Tieren ein schönes Fürimmerzuhause zu bieten, nahm die Planung im Jahr 2014 ihren Lauf. Marina, der Kopf der Häsli-Oase, eignete sich Wissen über Kaninchen an, besuchte Lebenshöfe & Auffangstationen & fing an, ein Konzept für eine eigene Auffangstation zu erstellen. Im Jahr 2016 wurde die "Häsli-Oase" ins Leben gerufen und die ersten 6 Tiere, welche sogenannte Zuchtausschüsse waren, konnten aus der Einzelhaltung geholt und in ihr neues zu Hause gebracht werden. Während den Folgejahren haben wir unser Wissen rund um Kaninchen laufend erweitert und Im Jahr 2021 entstand das neue Gehege am jetzigen Standort im Gürbetal. In der folgenden Bildstrecke haben wir ein paar Meilensteile von der Bauphase festgehalten.






Die richtige Ernährung
Kaninchen sind Folivore (Blattfresser) und somit Frischköstler. Hauptbestandteil der Nahrung sollte immer frisches, vielfältiges Grünfutter sein. Im Frühjahr, Sommer und Herbst bietet es sich an, direkt in der Natur zu pflücken, denn Pflanzen von der Wiese, Zweige und Blätter sind nicht nur kostenlos, sondern auch das gesündeste Kaninchenfutter.
Natürlich können Außenkaninchen auch das Futter selbst abgrasen, dann brauchen sie nur für nachts gepflücktes Grün. Ideal ist ein Gemisch aus zwei Dritteln Gräsern und einem Drittel gemischten Wiesenkräutern. Manchmal findet man im Winter auch noch Wildpflanzen im Freien.
Tipps:
*Bevor du Gräser pflücken gehst informiere dich über die Toxizität giftiger Pflanzen für Kaninchen. Wichtiger Lese- und Hörstoff findest du hier: Wildkräuterliste
*Nachfolgend findest du eine Datei zum Ausdrucken, welche du zum Wiese sammeln mitnehmen kannst: Wiesenpflanzen-sammeln-Fotos.pdf
* Lade eine (oder im Zweifelsfall zwei) pflanzenbestimmende Apps in deinem App-Store herunter, wenn du dir beim Bestimmen der Gräser unsicher bist oder frage bei einem kundigen Gärtner in deiner Bekannt- oder Verwandtschaft nach
Winterfütterung
Wenn keine Wiesenfütterung möglich ist, eignet sich eine Mischung aus Blattgemüse (Bittersalate, blättrige Kohle, Gemüsegrün, Küchenkräuter…) als Hauptfutter für Kaninchen.
Hat man dazu nicht die Möglichkeit oder findet man nicht mehr genug, weicht man am besten auf gekauftes Grünfutter aus. Dabei verfüttert man am besten täglich mindestens fünf verschiedene Grünfuttersorten aus unterschiedlichen Bereichen:
- Bittersalate (Endivie, Radicchio, Chicorée, Zuckerhut, Blattzichorie, Frisée, Löwenzahnsalat…) in großen Mengen
- blättriger Kohl (Grünkohl, Wirsing, Spitzkohl, Chinakohl…), in Wohnungshaltung ca. 10% der Ration, in Außenhaltung gerne mehr)
- Gemüsegrün (Karottengrün, Kohlrabiblätter, Stangensellerie, Fenchelgrün, Blumenkohlblätter…)
- Küchenkräuter (Petersilie, Koriander, Dill – alle, die der Mensch auch essen darf, sind geeignet), <10%
- Gründüngung (bis Dezember auf den Feldern)
- Zweige <10%
- anderes Blattgemüse in kleinen Mengen dazu mischen (andere Salate, Spinat, Mangold…)
- Wintergrüne Pflanzen (Bambus…) und Wiese die sich noch findet.
Viele Halter machen den Fehler, dass anstatt von Grünfutter (blättrig-krautiges Futter) ungeeignetes Frischfutter (Obst, festes Gemüse) den Hauptanteil der Nahrung ausmacht. Dadurch kommt es ggf. zu Verdauungsstörungen und Zahnerkrankungen! Grünfutter muss den Kaninchen durchgängig zur Verfügung stehen, denn Kaninchen nehmen immer wieder kleine Mengen auf, um ihren Verdauungstrakt gleichmäßig zu belasten. Man füttert immer so große Mengen, dass bei der nächsten Fütterung noch Reste übrig sind. In der Regel sind das etwa 200-500g je Kilo Körpergewicht und Tag, d.h. für zwei Kaninchen mit um die 2kg etwa 0,8-2kg Grünfutter am Tag. Die Tierärztliche Vereinigung für Tierschutz e. V. (TVT) empfiehlt für ein Kaninchen täglich 200 Gramm Frischfutter pro Kilogramm Körpergewicht. Das heißt also, dass ein Kaninchen mit zwei Kilogramm Körpergewicht 400 Gramm Frischfutter bekommen sollte. Einige Kaninchen benötigen jedoch etwas mehr – die Menge misst sich daran, wie viel sie über den Tag und die Nacht verteilt fressen. Wird zu wenig Grünfutter gefüttert, so dass es nicht bis zur nächsten Fütterung reicht, kann es zu Verdauungsstörungen kommen. Die ständigen Wechsel von Grünfutter zu trockener Nahrung wie z.B. Heu belasten die Verdauung. Zudem ist die dauerhafte Grünfutterung sehr wichtig, damit die Zähne richtig abgenutzt werden, denn Kaninchen haben nachwachsende Zähne, die sonst krank werden können.
Raufutter
Ergänzend zum Grünfutter ist es wichtig, durchgängig ein hochwertiges Heu anzubieten. Auch wenn die Kaninchen gerne kräuterreiches Heu fressen, sollte man eines ohne viel Trockenkräuter wählen. Das Heu sollte regelmäßig ausgetauscht werden, da Giftpflanzen und andere ungeeignete Bestandteile von den Kaninchen übrig gelassen werden und die Futterqualität im Gehege oft abnimmt.
Auch Zweige (mit Blättern) sind besonders wichtig, wenn hauptsächlich Blattgemüse verfüttert wird.
Beikost
Neben dem Grundfutter können Wurzel- und Knollengemüse angeboten werden. Der Anteil sollte dabei möglichst gering gehalten werden.
Auch (einheimisches) Obst darf ab und zu aus der Hand als Leckerli gefüttert werden, besonders im Herbst.
Wasser
Frisches Wasser wird am besten in einem standsicheren Keramiknapf angeboten. Damit er nicht verschmutzt, stellt man ihn am geschicktesten erhöht oder auf einer Fläche ohne Einstreu auf. Nippeltränken sind als alleinige Wasserquelle ungeeignet.
Futterumstellungen
Nahrungsumstellungen sollten immer langsam vorgenommen werden. Neue Futtersorten müssen erst in kleiner Menge auf Verträglichkeit getestet werden. Möchte man die Ernährung umstellen, so verdoppelt man von Tag zu Tag die Menge des neuen Futters und halbiert die Menge der alten Nahrung.
Fütterungsfehler?
Es gibt einige Fehler, die verbreitet sind und sich negativ auf die Gesundheit unserer Kaninchen auswirken können.
Gekaufte Futter-Mischungen sind ungesund
Von den gekauften Kaninchenfutter werden Kaninchen auf Dauer krank. Durch künstliche Aromen und viel Energie (Kohlehydrate, Fette und Eiweiße) wird der Geschmackssinn der Kaninchen beeinflusst, so dass sie diese qualitativ schlechten Dinge verschlingen. Trockenfutter ist unnatürlich und schädigt den gesamten Organismus der Kaninchen! Die Folgen sind oftmals vielfältige Erkrankungen (wie z.B. Durchfall, Zahnerkrankungen, Blasengries und Blähungen) und folglich hohe Tierarztkosten.
Die Liste von Folgeerkrankungen, die durch Trockenfutterernährung begünstigt und ausgelöst werden, ist lang.
- Zahnerkrankungen: nur 20% sieht man beim sorgfältigen Blick ins Maul, die anderen 80% nur durch die Mauluntersuchung in Narkose und mehrere Röntgenbilder des Kopfes aus versch. Ebenen und entsprechender Auswertung. Zahnwurzelerkrankungen sind eine häufige Folge der Trockenfutterfütterung und werden im fortgeschrittenen Stadium teils durch tränende Augen, Abszesse oder Nasenausfluss sichtbar (häufig von nicht-kaninchenkundigen Tierärzten mit Schnupfen verwechselt!). Auch Unverträglichkeiten gegenüber viel Frischfutter oder generell gegen Frisches ist ein typisches Zeichen für Zahnerkrankungen! Durch Trockenfutter ist das Kaninchen schneller satt (dafür reichen schon kleine Mengen, ein El am Tag führt dazu, dass das Kaninchen weniger als die Hälfte an Grünfutter frisst!). Dadurch werden die lebenslang nachwachsenden Zähne nicht mehr abgerieben. Durch den hohen Mahlgrad (Futtermehle statt Fasern) des Futters wird es kaum gekaut. Zudem kauen Kaninchen Trockenfutter anders als ihre natürliche Nahrung: Trockenfutter wird “geknackt” (hohe Belastung auf den Kiefer und die Zahnwurzeln > retrogrades Zahnwachstum), Grünfutter wird zermahlen. Mehr Infos zum Zahnabrieb. Die Zähne müssen dann in Narkose beim kaninchenkundigen Zahntierarzt geschliffen und die Ernährung umgestellt werden.
- Verdauungsstörungen: Viele Tiere bekommen irgendwann von Frischfutter Durchfall oder vertragen einige Lebensmittel nicht mehr! Auch „immer mal wieder Durchfall” oder eine Überproduktion des Blindddarmkots ist eine häufige Folge des Trockenfutters. Einige Tiere neigen zu Verstopfungen, Aufgasungen und Magendilatationen. Dies hat mehrere Gründe: Zum einen braucht der Darm von Kaninchen durch die gering ausgeprägte Peristaltik sehr grob strukturierte Nahrung, dadurch funktioniert der Transport im Darm besser. Trockenfutter sind stark vermahlen und bestehen aus Futtermehlen, die so den Stoffwechsel verlangsamen. Zum anderen haben Kaninchen eine sehr spezielle Bakterienflora im Verdauungstrakt. Durch die Gabe von Trockenfutter werden schädliche Bakterien “gefüttert”, die sich ausbreiten und die gesunde Darmflora überwuchern.
- Blasengries, Blasensteine, Nierensteine & Co.: Durch die Trockenfutter-Fütterung wird deutlich weniger Grünfutter gefressen. Schon weniger als ein EL am Tag je Tier reduziert die Frischfuttermenge so extrem, dass die Tiere weniger als halb so viel Grünfutter fressen. Das fehlende Wasser in der Nahrung wird durch Trinken nicht ausgeglichen, dazu gibt es umfassende Studien! Die Harnwege werden unzureichend durchgespült. Kaninchen resorbieren Kalzium nicht bedarfsorientiert, sondern in der Menge, in der es aufgenommen wird: Durch den speziellen Kalziumstoffwechsel lagert sich bei weniger Wasseraufnahme schnell etwas in den Nieren oder der Blase ab, da der Harn konzentrierter ist! Hinzu kommt, dass künstlich zugesetztes Vitamin D im Trockenfutter Ablagerungen in den Harnwegen auslösen kann.
- Übergewicht/Untergewicht und Folgeerkrankungen: Auch der Energiegehalt dieser Futtermittel ist sehr hoch, so dass es zu Übergewicht, Organschäden (damit einhergehend oft Abmagerung) kommen kann. In der Folge kommt es zu Gelenkserkrankungen (erhöhtes Gewicht lastet auf den Knochen), Verdauungsstörungen (die Organe werden durch das Fett verdrängt) und Blasengries (die Tiere bewegen sich weniger, dadurch lagern sich Konkremente leichter ab). Kaninchen werden bei Trockenfutter sehr viel ruhiger und “fauler”, das hat unterschiedliche Gründe. Zum einen belastet das Futter die Verdauung, da es absolut unnatürlich und ungeeignet ist. Dadurch liegt es schwer im Magen. Aber auch der Stoffwechsel wird umgestellt. Durch die trockene Fütterung setzt ein Trockenstoffwechsel ein, die Tiere sparen Energie und sind sehr ruhig. Durch die hohe Energiedichte sind die Tiere schnell satt und müssen sich das Futter weder erarbeiten, noch sind sie mit der Nahrungsaufnahme und -suche beschäftigt.
- Verhaltensstörungen: durch den höheren Energiegehalt werden die Kaninchen schnell satt, dadurch verbringen sie nur ein Zehntel der Zeit mit Nahrungsaufnahme. Ein frisch gefüttertes Tier frisst 80% der Aktivitätsphasen. In Folge kommt es zu vielfältigen Verhaltensproblemen durch Langeweile, z.B. Gitternagen, Fell auszupfen oder wund lecken
- Ernährungsmythos: Die Grundnahrung von Kaninchen ist Heu
Wildkaninchen sind Folivore. Sie ernähren sich von einer vielfältigen Auswahl an verschiedenen Wildkräutern, Blättern, Wurzeln und jungen Gräsern. Unsere Hauskaninchen haben immer noch den fast identischen Verdauungstrakt und die gleichen Ernährungsansprüche. Ihre Grundnahrung sind somit Wiesenkräuter und Gräser. Heu hingegen sind getrocknete Gräser (und teilweise ein wenig getrocknete Kräuter), durch den Trocknungsprozess gehen noch dazu viel Flüssigkeit und auch Vitamine und Nährstoffe verloren. Heu ist der natürlichen Grundnahrung somit nicht ebenbürtig, sondern lediglich ein nicht perfekter Ersatz für die Grundnahrung unserer Kaninchen.
Siehe: Zwischen Mangel und Überfluss: Das Geheimnis einer bedarfsgerechten Ernährung.
Heu ist im Vergleich zur eigentlichen Grundnahrung (Wiesen-Kräuter) minderwertig und einseitig. Es sollte jedoch ergänzend zum Grünfutter als Beikost angeboten werden.
Quelle: www.kaninchenwiese.de
Dort sind alle weiteren Quellenangaben zu finden